Alternative Betrachtungsweisen gefährden die Einseitigkeit! (9)

Alternative Betrachtungsweisen gefährden die Einseitigkeit! (9)

Naturheilpraxis Kuester Naturheilkunde

30.09.20 Heute: Robert Koch und Louis Pasteur

Nachdem wir uns im letzten Kapitel mit dem Verhältnis der beiden französischen Mikrobiologen Pasteur und Beschamp beschäftigt haben, wollen wir uns nun mit Pasteur und Koch beschäftigen.

Dazu erst mal den Werdegang Robert Kochs.


Robert Koch

Heinrich Hermann Robert Koch (1843-1910)

Im 19. Jahrhundert waren Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Cholera, Diphtherie oder Wundinfektionen die Haupttodesursache weltweit. Allein in Deutschland starben daran jedes Jahr hunderttausende Menschen. Der Arzt Robert Koch entdeckte damals, dass Krankheiten wie diese durch winzige Organismen, durch Bakterien, verursacht werden. Ihm und seinen Weggefährten in Berlin ist es gelungen, Infektionserreger und Ansteckungswege gezielt zu identifizieren und so den Weg für Therapien und Präventionsmaßnahmen zu ebnen. Ermöglicht wurde all dies durch neue wissenschaftliche Methoden, mit denen sich die Erreger nicht nur aufspüren, sondern auch sichtbar machen ließen, etwa feste Nährböden zur Anzucht von Bakterien, Mikrofotografie und Färbetechniken. 1891 wurde Koch Direktor des neu gegründeten Königlich Preußischen Instituts für Infektionskrankheiten, dem heutigen Robert Koch-Institut. Zusammen mit Louis Pasteur gilt Robert Koch heute als Wegbereiter der Mikrobiologie.

Nebenbei begann Robert Koch, Milzbrand zu erforschen: Die Krankheit forderte bei Menschen und Tieren immer wieder Todesopfer – ihre Ursache lag jedoch völlig im Dunkeln. 1876 wies Koch schließlich nach, dass Milzbrand von einem einzigen Erreger ausgelöst wird. Er entdeckte auch die Ruheform des Erregers, Milzbrandsporen, und erklärte so die bis dahin unverstandene Infektionskette und die hohe Widerstandsfähigkeit des Bakteriums gegenüber Umweltfaktoren. Damit hatte Robert Koch als erster nachgewiesen, dass ein Mikroorganismus die Ursache für eine Infektionskrankheit ist. 1878 veröffentlichte er das Buch „Über die Aetiologie der Wundinfectionskrankheiten“, in dem er die Erreger von Wundinfektionen beschrieb.

Entscheidend für den Erfolg seiner Arbeiten waren die Präzision, mit der Koch seine wissenschaftlichen Methoden entwickelt und angewandt hatte, und der logische Aufbau der Beweisketten – und das unter recht einfachen Bedingungen in einem dürftig ausgestatteten Labor in seinem Wohnhaus in Wollstein.


Durchbruch in Berlin: Die Entdeckung der Tuberkulose-Bakterien

Von Wollstein aus zog Robert Koch mit Frau Emmy und Tochter Gertrud zunächst nach Breslau, bevor er 1880 an das Kaiserliche Gesundheitsamt in Berlin berufen wurde. Hier baute er die bakteriologische Methodik aus, die für die Erforschung von Infektionskrankheiten ebenso nützlich war wie für die Entwicklung von gezielten Gegenmaßnahmen, etwa Desinfektionsverfahren.

Am 24. März 1882 verkündete Koch am Berliner Institut für Physiologie die Entdeckung des Tuberkulose-Erregers – sein Vortrag über die „Ätiologie der Tuberkulose” machte ihn schlagartig weltberühmt. Die Tuberkulose hatte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einer Volkskrankheit entwickelt. Etwa ein Siebtel der Bevölkerung im Deutschen Reich starb damals an der so genannten Weißen Pest, Ursache und Verbreitungswege der Krankheit waren lange unklar. Koch zeigte nun, dass Tuberkulose durch Tuberkelbazillen ausgelöst wird. Um diese aufspüren zu können, waren spezielle Nährböden, neue Kulturbedingungen und spezifische Färbetechniken notwendig. Für die Entdeckung der Tuberkulose-Bazillen erhielt Robert Koch 1905 den Nobelpreis für Medizin.

Den Werdegang von Luis Pasteur haben wir bereits im letzten Kapitel behandelt. So dass wir uns jetzt auf das Verhältnis von Pasteur und Robert Koch konzentrieren wollen.


Rivalität mit Louis Pasteur

Mit Louis Pasteur lieferte sich Koch ab 1881 eine Kontroverse um die Milzbrandimpfung, bei der es schwerfällt zu entscheiden, worum es inhaltlich ging. Pasteur hatte sich mit seinen Milzbrandforschungen auf ein Gebiet begeben, das Koch als sein eigenes Forschungsgebiet ansah. Pasteur erkannte zwar Kochs Forschung an, machte aber auch eigene Prioritätsansprüche geltend.

Auf einer Konferenz in London im Sommer 1881 begegneten sich die beiden Forscher noch freundschaftlich, Pasteur lobte den viel jüngeren Koch. Wenige Monate später war ein heftiger Konflikt eröffnet. 

Im ersten Band der Mitteilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte griffen Koch und seine Studenten Gaffky und Loeffler in mehreren Beiträgen Pasteurs Forschung zur Milzbrandimpfung an. Sie warfen ihm die Verwendung unreiner Kulturen und andere Fehler vor. Pasteurs Forschungen hätten bisher nichts gebracht. 

Pasteur antwortete Koch ausführlich im Rahmen eines Vortrags 1882 in Genf. Dabei kam es zu einem verhängnisvollen Übersetzungsfehler (Pasteur sprach kein Deutsch und Koch kein Französisch). Ludwig Lichtheim, der neben Koch saß und simultan für ihn übersetzte, verhörte sich bei recueil allemand (Pasteurs Bezeichnung für eine Sammlung von Veröffentlichungen von Koch) und übersetzte orgeuil allemand („deutsche Überheblichkeit“), was Koch zu einem wütenden Protest veranlasste, während Pasteur, der das Missverständnis nicht mitbekommen hatte, ihm unverständlicherweise ruhig blieb.

Kochs Antwort auf Pasteurs Vortrag in Genf erschien wiederum öffentlich. Darin schlug Koch sehr beleidigende Töne an. Er schrieb zum Beispiel, Pasteur sei noch nicht einmal ein Arzt und seine Daten zur Milzbrandimpfung seien völlig wertlos, sie hätten nur einer aggressiven persönlichen Polemik gedient. 

Pasteur antwortete 1882 in einem langen und emotionalen offenen Brief, in dem er sich angesichts der heftigen Attacken überrascht zeigte und seinerseits eine Bewertung seiner Forschungsarbeit vornahm. 1885 kritisierte Koch zunächst Pasteurs Tollwutimpfung, schlug aber wenig später einen ähnlichen Weg ein.[45]

Da Frankreich und Deutschland seit dem Krieg von 1870/71 wieder als „Erbfeinde“ galten, berichtete die Publikumspresse über die Kontroverse mit stark nationalistischen Untertönen. Auch Pasteur begegnete Deutschland mit Ressentiments aufgrund der Niederlage 1870/71 (er gab zum Beispiel 1871 seine Ehrendoktorwürde aus Bonn zurück).


So wie heute, „menschelte“ es damals auch schon und Eitelkeit ist dann noch eine Prise Pfeffer in ein wohlschmeckendes Mahl.

Im kommenden Kapitel werden wir uns mit der Wissenschaft beschäftigen: Was ist Wissenschaft, wie wird der Begriff definiert? Warum ist Wissenschaft so immens wichtig? Was sind die Stärken der Wissenschaft und was sind ihre Schwächen?

Dazu mehr im nächsten Kapitel. Freuen sie sich darauf. 

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Gerhard Küster, HP

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Quellen:

  • Homepage Robert Koch Institut, Berlin;
  • Der Virus Wahn, Klaus Köhnlein, Thorsten Engelbrecht 2. Auflage;
  • Wikipedia